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Verteilungskämpfe um Fördermittel dürfen nicht auf dem Rücken von Migrantinnen und Migranten ausgetragen werden

Beratung braucht Vielfalt, nicht Einfalt!

Zur Videoproduktion „Migrationshintergrundberatungsmekka", einer Auftragsarbeit für die AIDS-Hilfe Köln e.V., erklären der offen schwule Landeslistenkandidat der LINKEN zu den Landtagswahlen in NRW, Jasper Prigge, und der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft queer der LINKEN.NRW, Frank Laubenburg:

Die AIDS-Hilfe Köln e.V. sieht nach ihren Angaben „nicht die Notwendigkeit, für alle möglichen Migrationshintergründe spezielle Angebote zu schaffen" und spitzt diese politische Botschaft mit einem von ihr in Auftrag gegebenen Video zu, in dem vor einem „Migrationshintergrundberatungsmekka" in Köln gewarnt wird. Dieses
Video ist zutiefst rassistisch und politisch abscheulich. Gerade in Köln agiert seit Jahren die extrem rechte Initiative „pro Köln“, die sich gegen die angebliche Islamisierung der Stadt und den Bau von Moscheen wendet. Selbst wer nicht in Köln lebt, hat diese Debatte verfolgen können. Wer in Köln lebt, weiß erst recht, in welchen Dunstkreis er sich begibt, wenn er sich parallel zu den „pro Köln“-Kampagnen gegen Islamisierung und Moscheen gegen ein „Mekka“ an Beratung für MigrantInnen wendet.

Mit der klischeehaften Darstellung unterschiedlicher MigrantInnen in der Videoproduktion dürfte die AIDS-Hilfe Köln e.:V sich zudem um den Ruf gebracht haben, auch eine kompetente Anlaufstelle für Migrantinnen und Migranten zu sein.

DIE LINKE steht für ein breit gefächertes Beratungsangebot, nicht nur im Bereich AIDS, auch im Bereich der lesbischen und schwulen Arbeit. Oft genug wird von konservativer Seite argumentiert, spezifische Beratungsangebote seien deshalb nicht notwendig, weil allgemeine Beratungen doch auch Schwulen und Lesben offen stünden. Einer solchen Argumentation zufolge wären schwul-lesbische Jugendzentren, Projekt gegen antischwule Gewalt oder eine spezifische SeniorInnenarbeit für
Lesben und Schwule letztlich nicht notwendig ,weil sie sich in bestehende Projekte integrieren ließen. Die Lesben- und Schwulenbewegung hat richtigerweise und oftmals erfolgreich dagegen gesetzt, dass die Kenntnis spezifischer Lebenssituationen notwendige Voraussetzung für angemessene Beratungsangebote ist und dabei immer auf die Selbstorganisation von Betroffenen gesetzt werden muss. Auch AIDS-Hilfe ist alsSelbstorganisation in sbesondere schwuler Männer entstanden. Auch vor diesem Hintergrund sind die völlig undifferenzierten Angriffe der AIDS-Hilfe Köln e.V. auf ein angeblich drohendes „Migrationshintergrundberatungsmekka" vollkommen absurd.

Ganz offenbar spielt die Verteilung von Fördergeldern eine Rolle für die Entstehung des Videoclips. Als LINKE setzen wir für uns eine Stärkung der Kommunalfinanzen ein und treten gerade SPD und Grünen entgegen, die aktuell den „Stärkungspakt“ für die Städte und Gemeinden in NRW damit verbinden, dass sie massive Kürzungen im Bereich der freiwilligen Ausgaben von den Kommunen einfordern. Das wird AIDS-Hilfe genauso treffen wie Projekte von Schwulen, Lesben, Frauen, Kulturschaffenden und MigrantInnen. DIE LINKE hat sich im Landtag entschieden gegen solche Spardiktate gestellt. Solidarisch und notwendig ist es in dieser Situation, gemeinsam gegen ein Kaputtsparen der Kommunen und für einen Ausbau sozialer Arbeit in den Städten zu kämpfen und nicht mit abstrusen Botschaften andere soziale Projekte anzugreifen. Wir hoffen, dass die AIDS-Hilfe Köln e.V: sich auf einen solchen Kurs besinnt.

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