Artikel

Spartakus-Aufstand: Heute vor 95 Jahren wurde Karl Schmidtchen Düsseldorfer Oberbürgermeister

Bereits im November 1918 konstituierte sich in Düsseldorf im Rahmen der Novemberrevolution der Düsseldorfer Arbeiter- und Soldatenrat und übernahm friedlich die Führung der Stadt Düsseldorf. Damit gab es erstmals in Düsseldorf eine demokratisch legitimierte Stadtregierung – parallel zum Ausrufen der Republik durch Karl Liebknecht (KPD) und Philipp Scheidemann (SPD) in Berlin und zur Abdankung des letzten deutschen Kaisers.
Anfang Januar 1919 kam es dann in Düsseldorf – ausgelöst unter anderem durch Lohnkürzungen und Entlassungen bei Rheinmetall - zu einer revolutionären Erhebung der ArbeiterInnen und Soldaten. Im Düsseldorfer Arbeiterrat übernahm die KPD die Führung und besetzte zahlreiche Führungspositionen in der Stadtverwaltung neu. Der damalige Oberbürgermeister Adalbert Oehler und sein Polizeipräsident Robert Lehr flohen aus der Stadt.
Am 10. Januar 1919 wurde dann der 60-jährige Bergmann und Konsumgenossenschaftler Karl Schmidtchen zum Düsseldorfer Oberbürgermeister berufen.
Er hielt sich nicht lange im Amt. In Düsseldorf nahm die M-SPD von vornherein eine zögerliche und zwiespältige Rolle ein. Sie schloss sich erst spät dem Arbeiter- und Soldatenrat an und verließ ihn dann wieder, um mit bürgerlichen und konservativen Kräften in Opposition zur Selbstverwaltung der ArbeiterInnen und Soldaten zu treten. Ende Februar 1919 beendeten dann paramilitärische Freikorpsverbände blutig den Versuch, in Düsseldorf ein demokratisches Rätesystem aufzubauen. Über 50 Tote waren zu beklagen. So blutig wurde den bürgerlichen Kräften und der M-SPD der Weg freigemacht.
Der 1919 noch vor den ArbeiterInnen geflohene Robert Lehr konnte auch so 1924 Düsseldorfer Oberbürgermeister werden und als Türöffner für Adolf Hitler fungieren. 1932 begrüßte er Hitler im Namen der Stadt anlässlich Hitlers Rede im Düsseldorfer Industrieclub. Lehrs Rolle als einer der Wegbereiter des Faschismus ist bis heute kaum aufgearbeitet, vor allem, weil er selbst von der NSDAP 1933 als Oberbürgermeister abgesetzt wurde.
In welcher Tradition sich die Landeshauptstadt Düsseldorf sich heute noch sieht, zeigt die Benennung eines Teils des Rheinufers nach Robert Lehr. Ein Karl-Schmidtchen-Ufer wäre sicherlich angemessener.

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
 

Kontakt

Frank Laubenburg
Erkrather Straße 274
40233 Düsseldorf

frank.laubenburg@googlemail.com
Mobil: 0152 33 55 47 52

Impressum
Datenschutzerklärung

Galerie