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Kompass ausgefallen: SPIEGEL-Ehrung mehr als unangemessen

Das Schwule Netzwerk NRW will in diesem Jahr das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL mit seiner „Kompassnadel“ auszeichnen. Mit der „Kompassnadel“ soll ausgezeichnet werden, wer „sich besonders um die Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz der schwulen Minderheit verdient gemacht“ hat. Zur Verleihung des Preises an den SPIEGEL erklärt Frank Laubenburg, NRW-Landessprecher der Landesarbeitsgemeinschaft queer der Partei DIE LINKE:

Die Entscheidung des Schwulen Netzwerks NRW ist nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern geradezu ein Schlag ins Gesicht zahlreicher schwuler Männer, HIV-Infizierter und AIDS-Erkrankter, die insbesondere in den 80er Jahre den Angriffen und Diskreditierungen durch den SPIEGEL ausgesetzt waren. Nicht zuletzt der Abwehrkampf gegen die damalige SPIEGEL-Berichterstattung über die “Schwulenseuche" AIDS hat viele schwule Männer dazu gebracht, sich in AIDS-Hilfen und Schwulenorganisationen zu organisieren. Das allerdings nun als Verdienst des SPIEGELS darzustellen, ist mehr als unangemessen.

Wann immer es eine neue abstruse Theorie zur Entstehung von Homosexualität gab: DER SPIEGEL berichtete und stellte Homosexualität vor allem als medizinisches Problem dar.

Das Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ hat in den 80er Jahren maßgeblich für ein Klima von Vorurteilen und Repression gegen schwule Männer gesorgt. Bis heute ist die AIDS-Berichterstattung des SPIEGEL immer wieder vor allem eins: unerträglich.

Wenige Tage vor dem Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember, am 26. November 2012 veröffentlichte auf SPIEGEL online die Behauptung: Der Kampf gegen die Ausbreitung von Aids ist in Deutschland derzeit wenig erfolgreich.“ Diese absurde Behauptung wollte SPIEGEL online damit belegen, dass es nunmehr geschätzt 78.000 HIV-Infizierte in der Bundesrepublik gibt. „Zahl der HIV-Infizierten erreicht Höchstwert“ wird der Beitrag entsprechend betitelt.
Fakt ist, dass eine HIV-Infektion heute wesentlich seltener, wesentlich später, wesentlich langsamer, wenn überhaupt, zum Ausbruch einer AIDS-Erkrankung führt. Dass die Zahl der in der Bundesrepublik lebenden HIV-Infizierten steigt, liegt daran, dass sie eben nicht mehr an AIDS sterben. Es handelt sich also zuallererst um eine Folge der verbesserten medizinischen Therapien und damit auch eines erfolgreichen Kampfs gegen die Immunschwächeerkrankung. Wer es für „wenig erfolgreich“ hält, dass mehr Menschen trotz HIV- oder AIDS-Diagnose noch leben, ist an Zynismus nicht mehr zu überbieten und betreibt das Gegenteil von dem, was mit der „Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz der schwulen Minderheit“ zu tun hat.
Von daher scheint beim Schwulen Netzwerk NRW in diesem Jahr der Kompass eher ausgefallen zu sein.

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