Artikel

Interview zum CSD Köln in junge welt: »Dann muß es eben Blockaden geben«

Linke Homosexuelle akzeptieren nicht die Teilnahme von Rechtspopulisten am »Christopher Street Day« in Köln. Ein Gespräch mit Frank Laubenburg
Interview: Markus Bernhardt
Frank Laubenburg (46) war in den 1980er Jahren Mitbegründer des Bundesverbandes Homosexualität (BVH) und ist heute Sprecher der Landesarbeitsgmeinschaft »queer« der Linkspartei NRW

Die rassistische Partei »Pro Köln« hat angekündigt, am 7. Juli mit einem eigenen Wagen am diesjährigen Christopher Street Day (CSD) in der Domstadt teilnehmen zu wollen. Wie erklärt sich der Sinneswandel der Rechtsaußenpartei, die in der Vergangenheit massiv gegen Schwule und Lesben gehetzt hat?

»Pro Köln« hat schon vor Monaten einen islamophoben schwulen Lehrer, Daniel Krause, auf einer Kundgebung reden lassen. Letztlich, um an die Strategie des niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn anzuknüpfen: Man geriert sich als Verteidiger der »Freiheit« auch von Schwulen, die durch eine islamische Gefahr bedroht sei. Das ist zwar völlig absurd, gerade, wenn man sieht, welche gewalttätigen Folgen das Agieren der katholischen Kirche gegen Schwule in Frankreich und Polen gerade hat. Aber es gibt natürlich auch bei Schwulen einen rassistischen Bodensatz, den »Pro Köln« ansprechen will. Zudem schafft es die rassistische Partei mit der CSD-Anmeldung einmal mehr, sich mit einfachen Mitteln groß ins Gespräch zu bringen.

Der Veranstalter der CSD-Parade, der »Kölner Lesben- und Schwulentag« (Klust), hat die Anmeldung erst über Wochen geheim gehalten und behauptet nun, die Teilnahme von »Pro Köln« sei nicht zu verhindern …

Eine richtige Schande ist das. In der New Yorker Christopher Street haben Schwule, Lesben und Transen sich im Juni 1969 gegen Razzien gewehrt, indem sie die Polizisten aus den Kneipen geprügelt haben. Es gab tagelange Straßenschlachten. Deshalb gibt es den Christopher Street Day. Sich mit dem CSD in Köln einerseits auf diese Tradition des Widerstands zu berufen und dann bei einem vergleichsweise kleinen Problem wie der »Pro Köln«-Anmeldung zu kneifen, geht gar nicht.
Beim CSD sind Zehntausende und es wäre ein Leichtes, die Teilnahme der Rechten zu verhindern. Statt dessen mit Gesetzestreue und mangelnder Handhabe zu argumentieren, weil jeder an einer Demonstration teilnehmen dürfe, ist gerade für Schwule unwürdig. Männliche Homosexualität wurde von 1871 bis 1994 mit dem Paragraphen 175 im Strafgesetzbuch kriminalisiert – und natürlich trotzdem gelebt. Wenn heute die Gesetzeslage so ist, daß Faschisten und Rechtspopulisten aufmarschieren dürfen, muß man sich dem dennoch entgegenstellen. Das sind wir uns und unserer Geschichte doch wohl schuldig.

Hochrangige Vertreter des Klust haben jedoch vor antifaschistischen Protesten gewarnt – nicht etwa vor den Rechten. Auch stoßen zunehmend schwule Funktionäre ins gleiche Horn wie »Pro Köln« und fabulieren eine zunehmende Gewalt von Muslimen gegen Schwule herbei. Warum ist die Homobewegung so anfällig für rassistische Hetzkampagnen?

Das ist über Jahre hinweg organisiert worden. Besonders das Berliner »Anti-Gewalt«-Projekt Maneo, aber auch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) sind durch rassistische Statements aufgefallen. Bei antischwulen Gewalttaten wurde ein Zusammenhang mit dem vermeintlichen Migrationshintergrund von Tätern konstruiert. In Köln hat der LSVD – nach dem NSU-Anschlag auf die Keupstraße – gefordert, daß von Migranten betriebene Geschäfte mit Aufklebern darauf hinweisen sollen, daß sie »gayfriendly« seien.
Und jetzt, nach der »Pro Köln«-Anmeldung zum CSD, sehen einige die Chance, rechte und rassistische Positionen zum festen Bestandteil der »gay community« zu machen. Der schwule Verleger Olaf Alp und der frühere Klust-Vorsitzende Markus Danuser haben entsprechendes veröffentlicht. Es gab aber auch sehr entschiedene Zurückweisungen solcher Äußerungen. Ich hoffe, daß nun geklärt wird, daß auch in einer »gay community« Rassisten keinen Platz haben.

Welchen Umgang mit dem Klust und seiner CSD-Parade empfehlen Sie?

Die Teilnahme von »Pro Köln« muß verhindert werden. Am besten gemeinsam mit dem Klust. Wenn nicht, muß es eben Blockaden geben, damit die Rassisten keinen Meter vorankommen. Noch hoffe ich, daß der Klust es schafft, seine antifaschistische Verantwortung wahrzunehmen und selbst zu wirksamen Aktionen gegen die Rechten aufruft. Was gar nicht geht, ist die von seinen Funktionären geäußerte Idee, daß sich einfach alle umdrehen sollen, wenn »Pro Köln« beim CSD mitmarschiert. Wegsehen hilft nicht gegen Faschismus, es nutzt ihm, wie wir wissen.

Quelle:
junge Welt, 27.05.2013 / Inland / Seite 8 / Interview: Markus Bernhardt
http://www.jungewelt.de/2013/05-27/026.php

Neuen Kommentar schreiben

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
 

Kontakt

Frank Laubenburg
Erkrather Straße 274
40233 Düsseldorf

frank.laubenburg@googlemail.com
Mobil: 0152 33 55 47 52

Impressum
Datenschutzerklärung

Galerie