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Facebook: Landeshauptstadt Düsseldorf ohne Distanz zum Nazi-Architekten Schulte-Frohlinde

Auf der offiziellen facebook-Seite verweist die Landeshauptstadt Düsseldorf darauf, dass heute vor 61 Jahren der Spatenstich für den Erweiterungsbau des Rathauses erfolgte. Hierzu erklärt Frank Laubenburg, Mitglied des Rates der Landeshauptstadt Düsseldorf:

Die unkritische Darstellung historischer Daten auf der facebook-Seite der Landeshauptstadt ist schlichtweg unhistorisch. So wird heute an den Spatenstich zum Erweiterungsbau des Rathauses erinnert, ohne sich kritisch mit dem damaligen Zustandekommen des Bauauftrags und der Nazi-Karriere des Architekten Julius Schulte-Frohlinde auseinanderzusetzen. Das hat mit der Vermittlung von (Stadt-)Geschichte wirklich nichts mehr zu tun.

Schulte-Frohlinde war einer der führenden nationalsozialistischen Architekten, er stand auf Hitlers „Gottbegnadeten-Liste“ und erhielt 1950 ohne jede öffentliche Ausschreibung den Auftrag zum Erweiterungsbau des Rathauses. Seien umgesetzter Entwurf erntete bereits damals massive Kritik, weil er nahtlos an die architektonischen Vorstellungen des Nationalsozialismus anknüpfte. Der Düsseldorfer Architektenring protestierte 1952 (da wurde Schulte-Frohlinde auch noch Leiter des Düsseldorfer Hochbauamtes) dagegen, „dass der Erbauer der NS-Schulungsburg Erwitte und Schöpfer des Reichsparteitagsgeländes, Professor von Hitlers Gnaden, Schulte-Frohlinde, die Geschicke der Düsseldorfer Bauverwaltung lenken soll.“

Der Protest blieb vergebens. Düsseldorf war in den 50er Jahren vielmehr bundesweit dafür bekannt, Alt-Nazis aus dem Umfeld Albert Speers in hohe Stellen bei der Bauverwaltung zu holen und nationalsozialistische Architektur weiter voranzutreiben.

Der Architektenring wies darauf hin, dass es im Bereich der Architektur darum ginge „ob wir erkannt haben, wie tief die nationalsozialistische Vorstellung von Baukultur sich von der der Demokratie unterscheidet. Die Baulöwen der Parteibauten haben sich in ihrer Baugesinnung nicht geändert. Sie haben – wenn sie alt genug sind – diese Gesinnung schon vor dem Auftreten Hitlers gehabt und werden sie auch heute nicht ablegen. Wäre es nicht besser, sich bei der neuen Gestaltung unserer Städte jener Männer zu bedienen, die mit Hitlers Kommen emigrieren oder Untergrund gehen mußten, und deren kulturpolitische Vergangenheit keine Zweifel aufkommen läßt? Die Liste der vor uns vorliegenden germanischen Kulturritter, die in oder für Düsseldorf tätig sind, beängstigt uns sehr. Wir sehen darin ein Symptom unserer Zeit und möchten verhindern, daß sich diese Clique über den Weg einer Rehabilitierung des unglückseligen Entnazifizierungsverfahrens wieder in die leitenden Stellungen drängt.“

Das 725jährige Düsseldorfer Stadtjubiläum böte eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken und kritisch zu hinterfragen, warum es nach 1945 in Düsseldorf – übrigens nicht nur in der Architektur – zu keinem Bruch mit der nationalsozialistischen Ideologie kam und wie unsere Stadt aussehen würde, wenn sie nicht von Altnazis, sondern von Humanisten weiterentwickelt worden wäre. Gewollt ist das offenbar nicht.

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