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Duisburger Linksjugend: Mit Querfrontstrategen gegen Rassismus?

Mit einem als „antirassistisch“ bezeichneten Konzert will die auch innerhalb des Gesamtjungendverbandes sehr umstrittene Duisburger Ortsguppe der „Linksjugend“ heute Abend offenbar einen klaren Standpunkt zu Frage antirassistischer Politik beziehen. Faktisch öffnet die Duisburger Linksjugend allerdings die Tür für die Zusammenarbeit mit RassistInnen und für Querfrontstrategien, die mit linker Politik nicht nur nichts zu tun haben, sondern von ihr bekämpft werden müssten.

Denn eine der eingeladenen Bands, „Die Bandbreite“, hat nicht nur „keine Berührungsängste nach Rechts“ (O-Ton des Bandsängers Marcel Wojnarowicz auf einer Podiumsdiskussion am 13. November 2012), sondern arbeitet auch ganz offen und selbstverständlich mit RassistInnen zusammen. Auftritte bei linken Organisationen – wie heute bei der Duisburger Linksjugend – nimmt die Band dann immer wieder als vermeintlichen Beweis dafür, dass sie doch links zu verorten sei und damit Vorwürfe von KritikerInnen zur Zusammenarbeit mit rechtspoupulistischen und rechtsextremen Kräften gegenstandslos seien. Dass die Duisburger Linksjugend eine solche Alibi-Funktion für die Band wahrnimmt, ist erschreckend. Denn die Fakten, die der Kritik an der Band zugrunde liegen, sind allgemein bekannt:

Bereits am 10. Juni 2011 trat „Die Bandbreite“ auf einer Veranstaltung in St- Moritz (Schweiz) auf. Mitveranstalter dort war die Junge SVP (Jugendorganisation der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei), auf der Veranstaltung selbst sprachen rund um den Bandbreite-Auftritt auch SVP-Parlamentarier. Die SVP betrachtet die „Pro-Bewegung“ (also „PRO Köln, PRO NRW usw.) als ihre Schwesterorganisation und steht in ihren ausländerfeindlichen Positionen der NPD in nichts nach. Im Rahmen dieser Veranstaltung rief der Sänger der Bandbreite, Marcel Wojnarowicz auf: „Wir müssen zusammenarbeiten – das ist wichtig!“

Nach der Kritik an diesem Auftritt in eindeutig rechtspopulistischen Zusammenhängen argumentierte die Bandbreite zunehmend widersprüchlich. Anfangs behauptete sie, die SVP für die Schwesterorganisation der CDU gehalten zu haben, später dann, gar nicht gewusst zu haben, dass die SVP etwas mit der Veranstaltung zu tun gehabt habe. Mittlerweile wird von der Bandbreite die Behauptung, es habe sich dort um eine SVP-nahe, rechtspopulistische Veranstaltung gehandelt, trotz aller vorliegenden Dokumente schlichtweg geleugnet. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit ihrem dortigen Auftritt hat bei der Bandbreite also nicht stattgefunden. Vielmehr verteidigt und verharmlost die Bandbreite mit der Rechtfertigung ihres dortigen Auftritts letztlich die Zusammenarbeit mit rechtspopulistischen Kräften.

Dass es sich bei dem Schweizer Auftritt nicht um einen entschuldbaren Einzelfall handelt, zeigt der Auftritt der Bandbreite bei der rechtsesoterischen „Neudeutschland“-“Gründung“ am 16. September 2012 in Wittenberge. Dort sprach – so die Band selbst auf ihrer Homepage - als „intellektueller Vorspann für den Auftritt der Bandbreite“ Michael Vogt.

Michael Vogt gehörte bereits in den 1970er Jahren als Mitglied und späterer Vorsitzender der rechtsextrem beeinflussten Münchener Burschenschaft Danubia an und war Mitglied des Studentenverbandes "Ring freiheitlicher Studenten", der stark neofaschistische Tendenzen aufwies. In den 1990er Jahren verlor Vogt einen Lehrauftrag an der Universität Leipzig wegen seiner Verbindungen zu Rechtsextremen.

Gemeinsam mit dem NPD-Aktivisten Olaf Rose drehte Vogt einen Film über den Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess, in dem dieser verklärt wird.

Aktuell tritt Vogt mit seinem Aufruf zu einer "Deutschlandkonferenz Gold-Rot-Schwarz" in der Öffentlichkeit auf. Vogt schreibt dort unter anderem zum Thema Zuwanderung und Einbürgerung: "Das,was die Türken gegen Prinz Eugen militärisch nicht geschafft haben, soll jetzt mittels des demographischen Imperialismus als „friedliche“ Landnahme erreicht werden. Klares Ziel und klare Worte – und ebenso klar, das sich die Opfer dieser modernen Form des Imperialismus’ nicht gefallen lassen müssen, wie sich kein Volk die Aggression eines anderen einfach bieten lassen muß." und fordert "Deutschland stellt sicher, daß keine direkte oder indirekte Instrumentalisierung des Landes (z. B. aufgrund der Folgen der demographischen Problematik / Zuwanderung) für ausländische Interessen insbesondere militärischer Art eintritt oder eintreten könnte und wird entsprechenden Entwicklungen eines demographischen Imperialismus’ Dritter einen Riegel vorschieben." und konstatiert: "Wer glaubt, daß man mit einer national- und sozialrevolutionären wie freiheitlichen Tradition in einem System um sich greifender Blockwartmentalität der Politischen Korrektheit Lob vom Mainstream bekommen kann, ist ein Phantast."

Eine Band, die vor diesem Hintergrund einen Vortrag von Michael Vogt als „intellektuellen Vorspann“ für den eigenen Auftritt ansieht und sich gleichzeitig selbst links verortet, betreibt eine Querfront-Strategie, die entschieden abgelehnt und bekämpft werden muss. Die Duisburger Linksjugend hingegen findet das offenbar gut.

Die Auseinandersetzungen um die Teilnahme der Bandbreite am diesjährigen Duisburger CSD haben zudem deutlich gemacht, dass die Band nicht in der Lage ist, mit inhaltlicher Kritik an ihren Texten und Positionen umzugehen. So unterstellt sie in dem Song „Kein Sex mit Nazis“, dass Adolf Hitler homosexuell gewesen und deshalb so fanatisch gewesen sei. Der Song solle, so die Bandbreite, dazu dienen, Nazis zu ärgern. Faktisch bedient sich der Song dabei allerdings homophober Klischees und verkleistert damit die Ursachen des Faschismus.

Nachdem schwul-lesbische und feministische Organisationen wegen dieses Songs sowie sexistischer Lieder der Bandbreite wie „Eingelocht“ mit einem Boykott des CSD in Duisburg gedroht hatten, wurde die Band vom Veranstalter wieder ausgeladen. Statt sich mit der inhaltlichen Kritik auseinandersetzen, hat die Bandbreite daraufhin in einer Kampagne ihre Kritiker als psychisch gestört angegriffen und den Duisburger CSD zu einer Selbststilisierung der Band, die angeblich Opfer des Drucks und der Zensurwünsche anonymer Kreise geworden sei, genutzt.

Statt auf Kritik einzugehen, wurde von der Band dabei immer auch immer wieder darauf verwiesen, dass sie auf linken Veranstaltungen aufgetreten sei, die Vorwürfe des Sexismus, der Homophobie und der Querfrontstrategie seine schon daher haltlos. DIE LINKE. NRW hat von daher erst kürzlich beschlossen, mit der Band nicht mehr zusammenzuarbeiten, um nicht als Feigenblatt für das mehr als bedenkliche Agieren der Band zu dienen.

Die Duisburger Linksjugend hingegen hat damit offenbar (noch) kein Problem. Ob Michael Vogt auch auf dem heutigen Konzert als „intellektuellen Vorspann“ seine rassistischen Positionen über den „demographischen Imperialismus“ verbreiten darf, ist unklar. Wundern würde es angesichts der Verhaltens der Duisburger Linksjugend nicht.

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