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Dallas baut in Düsseldorf

Auf der EXPO REAL in München präsentierte sich OB Dirk Elbers als Bauchrednerpuppe der Konzerne

Anfang Oktober fand in München die diesjährige „EXPO REAL“ statt. Auf der größten europäischen Messe für Gewerbeimmobilien wird vor allem posiert. Kommunen, Banken, Finanzinvestoren und Projektentwickler loben sich und ihre guten Kontakte zu einander. Eine kritische Debatte über die Entwicklung unserer Städte im Rahmen neoliberaler Politik findet nicht statt. Vielmehr ist es für die EXPO REAL-Aussteller offenbar selbstverständlich, dass die Stadtentwicklung und –planung vor allem den Interessen der Finanzinvestoren zu dienen hat.

Explizit als Bauchredner der Investoren trat dann auch Düsseldorfs Oberbürgermeister Dirk Elbers bei der Präsentation der Landeshauptstadt auf der Messe auf. Er präsentierte stolz ein Projekt, das nach geltendem Baurecht gar nicht realisierbar ist und weder in der Düsseldorfer Öffentlichkeit noch in den politischen Gremien überhaupt bekannt geschweige denn diskutiert wurde: drei Hochhäuser für das Gelände der ehemaligen Paketpost zwischen Kölner und Erkrather Straße.

Vor zweieinhalb Jahren erwarb der US-amerikanische Hedgefonds „Lone Star“ von der Deutschen Post für rund 1 Milliarde Euro ca. 1300 Immobilien und Grundstücke, vor allem in Deutschland. Darunter eben auch das Gelände der ehemaligen Paketpost in Düsseldorf.

„Lone Star“, Sitz in Dallas, wurde zuletzt durch die Übernahme der maroden IKB bekannt und gilt – so berichtete des ARD-Magazin „Report“ wiederholt - als Unternehmen mit „skrupellosen Geschäftspraktiken“.

Vielleicht auch wegen des schlechten Rufs, den „Lone Star“ genießt, werden die Immobilenprojekte, die im Zusammenhang mit dem Aufkauf der Post-Immobilien geplant sind, von der luxemburgischen „Lone Star“-Tochter „Lorac Investment Fund“ betreut.

Auf dem über 37.000 Quadratmeter großem Gelände sollen drei Hochhäuser entstehen, die Bruttogeschossfläche soll bei 117.900 Quadratmetern liegen. Im Sprachgebrauch des Investors – und folglich auch des Oberbürgermeisters – ist dabei von „Wohnhochhäusern“ die Rede. Tatsächlich geplant sind aber wohl vor allem neue Büroflächen, wie das “Faktenblatt“ der Investoren indirekt aufzeigt. Eine Addition der angegebenen Nutzungsflächen für Wohnungen (40.000 qm), ein Hotel (10.000 qm) und für die Quartiersversorgung (6.000 qm) führt selbst bei mathematisch wenig Begabten zu einer „Rest“-Fläche von 61.900 Quadratmetern. Unwahrscheinlich, dass für diese Fläche keine Nutzungsabsicht vorliegt. Wahrscheinlicher, dass die Bezeichnung „Wohnhochhäuser“ nicht dadurch konterkariert werden sollte, dass auf den ersten Blick erkennbar wird, dass es sich um ein neues Bürobauprojekt handelt. OB Elbers hat es so wahrscheinlich wirklich nicht bemerkt.

Die Summen, um die es bei der Nutzung des Areals an der Kölner Straße geht, sind gigantisch. Medienberichten zufolge soll der derzeitige Grundstückswert bei rund 30 Millionen Euro liegen. Zieht man die Bodenrichtwertkarte des Landes Nordrhein-Westfalen (BORIS NRW) zurate, kann man schnell zu anderen Ergebnissen kommen. Derzeit liegt der Bodenrichtwert in dem bezeichneten Gebiet zwar nur bei 770 Euro, in der näheren Umgebung sind allerdings wesentlich höhere Richtwerte veranschlagt (Worringer Paltz 1.400 Euro, Handelzentrum Moskauer Straße 2.100 Euro, Oberbilk/Hinterausgang Hauptbahnhof 2.400 Euro).

Durch die mit dem geplanten Bauprojekt verbundene „Aufwertung“ des Grundstückbereichs dürfte es hier also von einem Wert um die 30 Millionen Euro zu einem reinen Grundstückswert zwischen 60 und 90 Millionen Euro kommen. Kein Wunder also, dass die an schneller und hoher Rendite interessierte LoneStar/Lorac-„Investoren“ möglichst schnell und möglichst viel bauen wollen. An einem langfristigen Engagement in Düsseldorf sind sie wohl nicht interessiert, auch Fragen der Stadtplanung und –entwicklung spielen dort keine Rolle. Zu rechnen ist viel mehr mit einem schnellen Eigentümerwechsel nach Baufertigstellung.

Wenn denn so gebaut wird. Schon die Vorgehensweise des Oberbürgermeisters ist Grund genug für Proteste. Sich im Amt als Propagandist einer solchen Investorenplanung zu verdingen, widerspricht allen demokratischen Gepflogenheiten.

Und das Gelände im Zentrum der Stadt hat nun wirklich eine bessere Bebauung verdient als von den Investoren vorgesehen. Ein städtebaulicher Wettbewerb, bezahlbarer Wohnraum und ein Verzicht auf weitere zehntausende Quadratmeter Bürofläche und Hotels wären eine große Chance für diesen Bereich. Das aber wird nur möglich, wenn der Druck auf Stadt und den „Investor“ möglichst groß wird.

Frank Laubenburg (war für die Landeshauptstadt Düsseldorf auf der EXPO REAL und fühlte sich dort mehr als unwohl)

veröffentlicht in der TERZ 11/2010

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